Predigt

Sonntag Nach Epiphanias 2018

Und Josua sprach zum Volk: Heiligt euch, denn morgen wird GOTT Wunder unter euch tun. 6Und Josua sprach zu den Priestern: Hebt die Bundeslade auf und geht vor dem Volk her! Da hoben sie die Bundeslade auf und gingen vor dem Volk her.

Und GOTT sprach zu Josua: Heute will ich anfangen, dich groß zu machen vor ganz Israel, damit sie wissen: Wie ich mit Mose gewesen bin, so werde ich auch mit dir sein. Und du gebiete den Priestern, die die Bundeslade tragen, und sprich: Wenn ihr an das Wasser des Jordans herankommt, so bleibt im Jordan stehen. Und Josua sprach zu den Israeliten: Herzu! Hört die Worte JHWH, eures Gottes! Daran sollt ihr merken, dass ein lebendiger Gott unter euch ist und dass er vor euch vertreiben wird die Kanaaniter, Hetiter, Hiwiter, Perisiter, Girgaschiter, Amoriter und Jebusiter: Siehe, die Lade des Bundes des Herrn der ganzen Erde wird vor euch hergehen in den Jordan. 1Und die Priester, die die Lade des Bundes des HERRN trugen, standen still im Trockenen mitten im Jordan. Und ganz Israel ging auf trockenem Boden hindurch, bis das ganze Volk über den Jordan gekommen war. Josua 3, 5-11+17

Liebe Schwestern und Brüder,

mit Wundern haben wir es ja in diesen Tagen:
Ein Kind wird geboren; es ist von Gott.
Ein Stern ist erschienen; er weist den Weg.
Und trotz aller Wetter-Kapriolen haben wir Zeit und Kraft, uns eine warme Kirche und warme Worte zu bereiten, schöne Lieder zu singen. Wir nehmen sie uns einfach. Weil es gut tut. Weil Gott uns Gutes tun will.

Die Kinder Israel erzählen sich vom Durchbruch.
Das passt zu Weihnachten. Auch dort hatte sich schon der Himmel geöffnet.
Und dann das scheinbar ganz normale Ereignis: Ein Stern am Himmel
wird von Gott als Wegweiser erwählt, um Fremde zu Jesus zu führen.
Gott wirkt auf wundersame Weise.
Der Himmel steht offen für dich.

II

Wir haben uns ja an die Weihnachtsgeschichte gewöhnt.
Schulkinder kennen sie. Im Kindergarten wird sie erzählt.
Selbst Jugendliche kommen am Heiligen Abend nochmal zum Krippenspiel.
Und wir Kirchgänger denken verklärt zurück an die Zeit,
da wir selbst Krippenspielkinder oder Sternsinger gewesen sind.
Wir reden vom Zauber der Weihnachtszeit: zu Recht,
weil sie märchenhaft wirkt, überirdisch.

Nur selten passiert auch in meiner Lebensgeschichte eine Unterbrechung.
Als ich klein war gab es die Waffenruhe zur Weihnacht im Vietnamkrieg.
Und später hörte ich ähnliches aus dem ersten Weltkrieg.
Vom neu gewählte Papst erbeten, von den Heeresleitungen nicht angeordnet,
in Filmen eindrucksvoll inszeniert: Verbrüderung für wenige Momente über den Schützengräben, im ersten Kriegsjahr war das noch möglich – später nicht.

Denkt ihr genauer darüber nach,
bleibt die Weihnachtsgeschichte märchenhaft
zumindest für den nüchternen Verstand. Und

Wir bleiben ratlos, wie wir den Weihnachtsfrieden realisieren können;
stellen fest, wie sehr wir in der Friedensarbeit an Grenzen stoßen.
Dass es eben nicht machbar ist.
Und doch haben wir erlebt, dass es sich auf wundersame Weise ergibt.
Hier und da leuchtet ein Glanz des Evangeliums – als Geschenk von Gott gefügt.
Frieden ist immer ein Geschenk.
Frieden kommt unverhofft.

III

Das zeigt sich sogar bei solchen Kriegsgeschichten
wie sie im Josua-Buch aufgeschrieben und jetzt neu
in die Ordnung unserer Predigttexte aufgenommen worden sind.

Da ist zwar die Rede vom Krieg,
aber keineswegs martialisch, eher symbolisch.
Selbst die Aufzählung der vertriebenen Volksstämme soll uns sagen:
„Feinde werden in Bann geschlagen.“
„Sieben Völker werden vertrieben.“
Sieben, die Zahl der Vollkommenheit.
Es gab sie noch, als es aufgeschrieben wurde.
Sonst hätte man ihre Namen nicht gekannt.
Der Feind ist überwunden, wie an Karfreitag der Tod:
Real, lebensnah und doch nicht mehr bedrohlich.
„Es kann uns nicht erschrecken“ heisst es in einem Weihnachtslied.
Die Angst wird uns genommen. Und wenn wir keine Angst mehr haben,
ist das der erste Schritt zum Frieden. So deute ich diese Aufzählung:
Gott in seiner überirdischen Macht
hat die Kraft der Feinde gedämpft.
Ihr könnt aufatmen. Leben!

IV

Ist es nicht so, dass die wahren Momente immer unverhofft kommen?
Echte Entspannung, Erleichterung, ja selbst
die Freude über ein richtig gutes Geschenk
kommt ungeplant, unvorbereitet.
Zumindest ist die Überraschung immer ein zusätzliches Motiv,
damit wir uns über ein echtes Geschenk freuen.

Als ich nach Weihnachten die Kinder fragte, was sie geschenkt bekommen hätten, wurde mir viel erzählt. Einer meiner Zweitklässler zählte auf, welche Geschenke von seinem Wunschzettel er bekommen hätte und welche nicht. Sein Gesichtsausdruck zeigte eine Mischung von Zufriedenheit und unerfüllter Erwartung. Die Freundin neben ihm hatte offensichtlich überhaupt keinen Wunschzettel geschrieben. Ihre Geschenke waren zwar auch typisch Kinderzimmer: Puppenstube, Barbie; aber bei ihr klang viel freudige Überraschung mit. Unvorhersehbarkeit ist immer ein Gewürz, das Geschenke versüßt.

Ich will das nicht zum Prinzip erheben.
Dann wären auch Gottes Geschenke vollkommen willkürlich.
Natürlich wünschen wir uns Weihnachtsfrieden!
Natürlich ist es schön, wenn das Fest harmonisch verläuft,
je größer die Familie, umso wichtiger!
Aber was wäre das für ein Leben, wenn alles in vorhersehbaren Bahnen verläuft!?
Liegt das Glück nicht vor allem darin,
dass auch die Überraschungen heilsam sind!?
Gott will uns dazu anleiten, nach dem guten Ausgang der Geschichte zu suchen.
Wer in seiner Lebenserfahrung immer nur die Abstriche sieht,
die Momente des Zurücksteckens und des Verzichts,
der findet weder Hoffnung
noch Glück.

V

Unser Predigttext nimmt uns mit an Palästinas Schicksalsfluss.
Wir stehen am Jordan, dort wo Jesus später die Taufe Jesu stattfand.
Und er ist ins Wasser getreten – genau wie einst,
nach unserer Geschichte die Kinder Israel –
Auch Jesus hat in diesem Wasser
innegehalten für einen Moment.
Auch Jesus hat die Zeit angehalten, so wie wir
den Atem anhalten, wenn etwas aufregendes passiert.
Und als er inne hält, öffnet sich der Himmel über ihm.
Bei seiner Taufe erfährt er Gottes Gegenwart.

Nicht jeder hat solch eine sinnlich hörbare Gottesbegegnung.
Als ich getauft wurde, hat mich mein frecher Cousin gefragt,
ob ich denn was erlebt hätte:
Nein,
ich selbst hatte keine
sonderbare Gottesbegegnung.
Aber der Tag meiner Taufe war ein wichtiger Tag für mich:
es gibt ein davor und ein danach.

Merken Sie, was die Taufe mit der Geschichte Israels zu tun hat?
Der Durchzug durch den Jordan ist so etwas wie eine Taufe.
An der Schwelle zum Gelobten Land passiert was mit ihnen.
Jetzt gibt es kein Zurück.

Natürlich gibt es nie ein Zurück im Leben.
Jeder deiner Schritte ist unwiderruflich.
Aber es gibt solche besonderen, einschneidenden Schritte.
Und die Kinder Israel begehen ihn feierlich,
den Durchzug durch das Schilfmeer: Sie halten inne.
Mitten im Flussbett verharren Sie.
Als müssten sie sich besinnen, ein Gebet sprechen,
um diesen Schritt ganz bewusst mit Gott zu gehen.
Sie bleiben stehen, bis das ganze Volk durchgegangen ist.
Trockenen Fußes stehn sie, wo sonst das Wasser fließt.
Auf Trockenem Boden gelangen sie hinüber,
obwohl der Jordan überfließt vom Schmelzwasser des Libanon,
für diesen Moment, für diesen Zeitraum hält es inne,
aus der Wasserflut wird eine Furt, im Flussbett wird
ein Hoffnungsweg ins Gelobte Land.

VI

Mir ist diese eigenartige Vermischung wichtig:
Auf der einen Seite eine genaue geographische Angaben
und die geht über in die Beschreibung eines Ereignisses, das göttlich ist.
Himmel und Erde kommen da zusammen, wie an Weihnachten.
Und es ist überhaupt nicht so, dass es immer so sein müsste.
Es ist überhaupt nicht selbstverständlich.
Es ist verwunderlich.
Unverfügbar, wie wir sagen:
Selbst wenn Gott es verfügt hätte, es muss sich nicht wieder fügen.
Es lässt sich nicht wiederholen. Das ist typisch für Durchbruchserlebnisse.

Die Jesusgeschichte ist nicht wiederholbar.
Weihnachten ist einmalig.
Wie die Wende von 1989 einmalig gewesen ist.
Und der Weihnachtsfrieden von 1914 einmalig gewesen ist.
Wenn Gott wegweisend wirkt, lässt sich das nicht wiederholen.
Aber dass es passiert ist, das nimmt mir die Angst.
Dass es einmal möglich war, weckt auch in mir Zuversicht.

Der Sieg der Kinder Israel beim Einzug ins Gelobte Land
trägt von Anfang an Gottes Handschrift.
Und damit verliert es seinen kriegerischen Einschlag.
Die Geschichte öffnet sich zur Heilandsgeschichte.
Sie gibt einen Vorgeschmack auf das Evangelium.

Wenn Israel siegt, dann ist das nicht wegen seiner militärischen macht.
Die Siege sind wundersame Siege,
wider alle Erwartung.
Sie speisen sich aus dem Innehalten,
mit anderen Worten: aus dem Gebet.

Es ist eben ein Unterschied, ob ich eine Kriegsgeschichte aus der Sicht von Siegern erzähle, die sowieso schon immer stark gewesen sind, Erfolg hatten in jeder Hinsicht. Die Landnahme-Geschichten Israels, zu denen das Buch Josua gehört, wurden erzählt in Zeiten der Unsicherheit.
Gehört wurden sie von verzagten Gemütern,
als Trostgeschichten in einer Zeit der Ratlosigkeit.
Wie wird es weitergehen? Seht: ein großes Licht!
Das Volk wandert im Finstern,
aber über ihnen scheint der Stern hell.
Gottes Licht verlöscht nicht.
Hoffnung besteht fort.

Politisch hab ich in über vierzig Jahren viele Veränderungen erlebt.
Seit der ersten Sensibilisierung durch meinen Gemeinschaftskundelehrer
sind sie gekommen und gegangen, die destruktiven Kulte in der Politik.
Ich glaube, all diese Geschichten wollen uns warnen davor,
dass wir anfangen, das Heft selbst in die Hand zu nehmen.
Wenn die Welt zum Frieden kommt, dann nur mit Gottes Hilfe.
Seid getrost, fürchtet euch nicht: Er wird’s schon richten.
Und trotz mancher Rückschläge – die auch sein müssen:
so schlecht war die Ansätze gar nicht.

Haltet inne.
Kommt zur Besinnung.
Schaut auf den Heiland!
Wartet auf Gott! Amen.

Weihnachtspredigt 2018

Die Erwartungen zu Weihnachten sind so hoch, dass manche Familienfeste sprichwörtlich darunter leiden. Beim Neckarburkener Adventskalender gab es Geschichten, die beides gespiegelt haben. Die Idealisierung sowohl als auch die Enttäuschung über das Familienfest. Natürlich macht es auch Lust, sich mit einem humorvollen Weihnachtsgedicht selbst auf die Schippe zu nehmen: Bei uns könnte auch alles schief gehen; und doch ist das immer auch die Bestätigung:
„Bei uns doch nicht!“
„Eitel Harmonie!“

Ich kann mich noch erinnern, wie wir als Jugendliche einmal versucht haben, das Fest sanft infrage zu stellen. Mit dem Jugendkreis rückten wir den ganzen Heiligen Abend aus. Zogen durch Freiburg und haben tatsächlich an den Straßenecken Leute eingeladen: Die Frau vom Jugendleiter hat gebacken und gekocht. Wir haben bewirtet und mit ihnen gefeiert. Ähnlich wie gestern in Mosbach in der alten Mälzerei, aber halt nicht nur drei Stunden, sondern sechs oder acht: Unsre Eltern waren irritiert und stolz zugleich. Die Bescherung zu Hause wurde auf den ersten Feiertag verlegt. Weihnachten einmal anders.
Wenigstens einmal
im Leben.

II

Vor allem, wenn die Kinder aus dem Haus sind, wirst du erneut nach seinem ursprünglichen Sinn fragen.
Fragst du zurück nach dem ersten Weihnachten, dann stellst du fest:
Die älteste Überlieferung von Jesus kennt das Fest überhaupt nicht. Das Markus-Evangelium beginnt mit der Taufe Jesu am Jordan, da muss er schon 28 oder 30 gewesen sein. Es gab ursprünglich ganze Weltregionen, die kannten keine Weihnachtsgeschichte. Und unser Krippenspiel mit den Hirten auf dem Feld und dem Engelsgesang wurde für eine ganz besondere Gruppe von Christen aufgeschrieben, die irgendwo, weit hinten in Syrien lebten. Die Menschen im Libanon hingegen kannten die Weisen aus dem Morgenland, aber von der Krippe und den Hirten wussten sie nichts. Und in Kleinasien, also in der heutigen Türkei, wo es sieben berühmte Christengemeinden gab, erzählte man sich die Heilandsgeburt mit den kryptischen Worten des Johannesevangeliums „Im Anfang war das Wort. Und das Wort war bei Gott. Und Gott war das Wort.“ Und erst dann: „Das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns.“ Von Sterndeutern und Hirten, von Engeln und Esel und Ochse wusste man dort gar nichts.

Deshalb ist es gut, sich die einzelnen Überlieferungen einmal getrennt voneinander anzuhören. Da merkst du, dass in den vertrauten Worten eigentlich eine fremde Welt verborgen ist. Heute also: das Evangelium, wie es bei Matthäus aufgeschrieben ist (Matthäus 1, 18-25):

Die Geburt Jesu Christi geschah aber so:
Als Maria, seine Mutter,
dem Josef vertraut war, fand es sich, ehe sie zusammenkamen,
dass sie schwanger war von dem Heiligen Geist.
Josef aber, ihr Mann, der fromm und gerecht war
und sie nicht in Schande bringen wollte,
gedachte, sie heimlich zu verlassen.
Als er noch so dachte, siehe,
da erschien ihm ein Engel des Herrn im Traum
und sprach: Josef, du Sohn Davids,
fürchte dich nicht, Maria, deine Frau, zu dir zu nehmen;
denn was sie empfangen hat, das ist von dem Heiligen Geist.
Und sie wird einen Sohn gebären,
dem sollst du den Namen Jesus geben,
denn er wird sein Volk retten von ihren Sünden.
Das ist aber alles geschehen, auf dass erfüllt würde, was der Herr durch den Propheten gesagt hat, der da spricht (Jesaja 7,14): 23 »Siehe, eine Jungfrau wird schwanger sein und einen Sohn gebären, und sie werden ihm den Namen Immanuel geben«, das heißt übersetzt: Gott mit uns.
Als nun Josef vom Schlaf erwachte, tat er, wie ihm der Engel des Herrn befohlen hatte, und nahm seine Frau zu sich. Und er erkannte sie nicht,
bis sie einen Sohn gebar; und er gab ihm den Namen Jesus.

III

Fangen wir hinten an.
Die sogenannte Josefsehe: Er erkannte sie nicht.
Natürlich hat er sie gekannt:
Er hatte sich sogar in sie verliebt!
Er hatte bei ihren Eltern um die Hand angehalten.
Er wusste, was sie für ein Mädchen ist.
und da war „Liebe“.
Sonst wäre der eine Satz da nicht geschrieben:
Er überlegt, sie heimlich zu verlassen, um sie nicht in Schande zu bringen.

Warum steht da „Er erkannte sie nicht“?
Das ist ein verklausuliertes Wort.
Die Bibel ist ja manchmal etwas verschämt.
Stellt euch das mal vor:
Endlich verheiratet!
So lange gewartet!
Und dann ziehen sie zusammen:
Und dann erstmal neun Monate gar nichts.

Wenn wir von Weihnachten reden, tauchen plötzlich all diese Fragen auf:
Wir oft seid ihr zärtlich miteinander?
Was hat es auf sich mit der Liebe?
Lebt ihr nebeneinander her?
Seid ihr wirklich mit Haut und Haar füreinander da?!
Oder ist die Ehe nur ein rechtlich bindender Vertrag, ein äußerlicher Rahmen, der jenseits von Gefühl und Liebe etwas zusammenhält?

Das Weihnachtsfest stellt uns neu die Frage nach der ehelichen Liebe,
Und zwar nicht nur nach der Fürsorge, nach der gegenseitigen Pflege
hochbetagter, lang verheirateter Ehepaare, sondern auch:
Liebt ihr euch noch mit Haut und Haar!?

IV

Dann.
„Eine Jungfrau wird schwanger sein.“
Das ist ein Zitat aus der griechischen Bibel.
Man drückt sich da ein wenig drum herum.
Man versucht natürliche Erklärungen zu finden
in der Sprachwissenschaft und in der Biologie.

Eine Jungfrau wird schwanger:
Die einen verweisen auf den hebräischen Text:
das sei doch eigentlich ein Übersetzungsfehler!
Man könne dasselbe Wort wie für Jungfrau
auch einfach für ein junges, aber verheiratetes Mädchen verwenden.
Und wieder andere weisen darauf hin, dass dieses
Motiv nur von Matthäus berichtet wird.
Die anderen Evangelien wüssten von einer jungfräulichen Empfängnis nichts. Aber Matthäus hat gemeint, dass Maria Jungfrau war. So wie die Mutter des Herkules eine Jungfrau war. Oder Alexander der Große – der Sage nach ebenfalls von einer Jungfrau zur Welt gebracht. Von ägyptischen Götter wird so geprochen: Die besondere Verbindung zu Gott wird damit ausgedrückt.

Freunde von mir im Studium meinten, das Problem sei gelöst,
weil es eine natürliche Selbstbefruchtung von Eizellen gibt.
Selbst wenn es so wäre: Vor wenigen Jahren stand das wieder einmal in der BILD: „Forscher, die sich mit der Studie beschäftigt haben, fanden eine medizinische Begründung für die Jungfrauengeburten. Es sei nicht auszuschließen, dass sich die Frauen – ähnlich wie Zwitter – ungeschlechtlich fortgepflanzt hätten. Verantwortlich dafür sei eine Genmutation.“ Dumm nur, dass eine solche Selbstbefruchtung das theologische Problem nicht löst: wenn sich nämlich eine Eizelle selbst befruchtet, ist das Embryo nicht von Gott, im Gegenteil: es bleibt ein rein menschliches Produkt:
Nein: Genetik erklärt hier überhaupt nichts.
Jesus ist weder eine menschliche Erfindung, noch eine Kopfgeburt.
Jesus ist göttlichen Ursprungs.
Das lässts ich anders gar nicht zum Ausdruck bringen:
Da kannst du nur staunend anbeten!
So eins mit dem Vater, wie er:
Das ist ein Wunder. Und bleibt eins.
Eine Jungfrau ist schwanger geworden.
Da kannst du nur den Kopf schütteln
und ahnungsvoll
verstehen.

V

Was mir noch gefällt an dieser Geschichte ist die Person des Josef. Er redet nicht viel, aber er zeigt Gefühl.
Es ist ihm peinlich.
Und er steht dazu.
Immerhin war Josef anständig:
Er denkt nach, reflektiert:
„Wie richte ich am wenigsten Schaden an?“
Josef hat diese Maria geliebt. Und er wollte ihr Bestes.
Und denkt dann doch auch an sich:
Natürlich kann ich sie nicht bei mir behalten!
Aber noch viel wichtiger ist es, dass sie nicht in Verruf gerät.
Das stand für ihn im Vordergrund.
Das war seine Art der Liebe.

Dieser Josef ist sowas von integer, dass nicht einmal Gott ihm das verdenkt.
Im Gegenteil: Wir alle fühlen mit ihm mit.
Rein menschlich gesehen ist alles richtig.
Es gibt nur einen Ausweg. Gott weiß das
und deshalb schickt er nochmal den Engel.
Soviel Respekt zeigt Gott für diesen liebevollen Beschützer, dass er dem Josef noch einmal die Decke wegzieht, noch einmal die Wolken durchdringt, in seine Träume eindringt. Im Traum hört Josef wahre Worte:

Du Lieber,
Du hast ja so Recht,
aber hör mir mal zu: ich weiß ja, dass das für dich unvorstellbar ist: Aber die Maria ist was ganz, ganz-ganz besonderes.
Das Kind ist nicht von dir.
Das Kind ist nicht von ihr.
Das Kind – ob du’s glaubst oder nicht – das Kind ist von Gott.

Der Engel spricht’s!
Gott selbst traut sich nicht.
Und der Engel verschluckt sich an den Worten schier,
weil es derart unglaublich ist: Das Kind ist von keinem andern Mann. Punkt.

Und Josef glaubt es.
Traut sich, dem Traum nachzuspüren:
Das Kind ist von Gott.
Nimm es zu dir.
Nimm sie beide.
Du darfst hinterher noch sieben Kinder haben mit ihr.
Aber dieses Eine, dieser Eine,
ist was Besonderes.
Nimm ihn auf wie dein eigenes Kind,
wohl wissend, dass er etwas Besonderes ist.

VI

Und dann wird aus Weihnachten Karfreitag,
aus dem Advent wird Gründonnerstag.
Drum feiern wir heuet auch das Heilige Abendmahl:
Jesus ist mehr als nur ein Mensch.
Jesus ist der Heiland,
er rettet ein ganzes Volk.
Wovor rettet er uns?
Was ist das Wichtigste?
Er rettet euch von euren Sünden.

Mhm.
Von Sünden.
Wollten wir nicht vor allem gerettet werden von täglicher Sorge und Arbeitslast? Nein:
er wird sein Volk
erlösen von seinen Sünden.
Er führt euch zurück ins Paradies.
Und wir singen ja auch in einem unsrer Lieder
„heut schleußt er wieder auf die Tür zum schönen Paradeis“.
Der Christbaum – nichts anderes als der Baum des Lebens mitten im Paradies. Und die Christbaumkugeln – die Äpfel, von denen Maria dem Joseph zu essen gibt. Das Paradies ist das Land der Unschuld.

Im Paradies ist ein Kind wieder ein Kind.
Und der Erwachsene gewinnt seine Unschuld zurück.
Dass Gott geboren wird, das ist das Paradies.
Da ist Raum für ihn, in dieser Welt.
Trotz der Sünde,
trotz des Kindermords von Bethlehem,
trotz der Gewaltgeschichten,
trotz Terrorismus und Elend,
Dort, zwischen Asien und Afrika, liegt das Paradies. Amen.