Predigt

Abschiedsgottesdienst 28. Juni 2019, 19 Uhr

Eröffnungslied 395 „Vertraut den neuen Wegen“

Lasst uns festhalten an dem Bekenntnis der Hoffnung
und nicht wanken; denn er ist treu, der sie verheißen hat;
und lasst uns aufeinander achthaben
und einander anspornen zur Liebe und zu guten Werken. Ehre sei dem Vater …

Gott, dieser Abend ist von Änderung bestimmt.
Abschied und Neubeginn,
Bewährtes wird weiter geführt,
Weichen werden gestellt.

Du erlaubst uns neue Schritte.
Du bist da gewesen, lange bevor wir waren.
Du wirst da sein, wenn unsre Tage gezählt sind.
Und du reichst uns an den Wegekreuzen die Hand.

Wir danken dir für all die Menschen,
die uns auf dem Glaubensweg begleiten.
Wir danken dir heute besonders für die Prediger und Prädikanten unsres Kirchenbezirks, die Sonntag für Sonntag den Gottesdienst halten.

Wir danken dir für die Gemeinden,
die mit uns den Glauben feiern.
Ich danke dir Gott für meine Ältesten.
Ich danke dir für die Kolleginnen und Kollegen.
Und für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
in der Gemeinde, im Dekanat,
auch über den engen Kreis
der Kirche hinaus.

Lass jeden Sonntag Gemeinde sein, lieber Gott.
Gib Menschen, die gerne predigen!
Schenke den Gemeinden
Beter und Beterinnen.

Von dir und zu dir
und gestärkt durch deinen Geist
leben und weben und sind wir Kirche
jetzt und allezeit und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Lied 645 „Er hört dein Gebet“

Lesung Psalm 78, 1-7: Eine Unterweisung Asafs.

Höre, mein Volk, meine Unterweisung,
neiget eure Ohren zu der Rede meines Mundes!
Ich will meinen Mund auftun zu einem Spruch
und Geschichten verkünden aus alter Zeit.
Was wir gehört haben und wissen
und unsre Väter uns erzählt haben,
das wollen wir nicht verschweigen ihren Kindern;
wir verkündigen dem kommenden Geschlecht den Ruhm GOTTES
und seine Macht und seine Wunder, die er getan hat.
Er richtete ein Zeugnis auf in Jakob
und gab ein Gesetz in Israel
und gebot unsern Vätern, es ihre Kinder zu lehren,
auf dass es die Nachkommen lernten, die Kinder, die noch geboren würden;
die sollten aufstehen und es auch ihren Kindern verkündigen,
dass sie setzten auf Gott ihre Hoffnung /
und nicht vergäßen die Taten Gottes,
sondern seine Gebote hielten.

PL Chor: 190 „Schenke mir Gott“

Predigttext Johannes 3, 27-30:

Johannes spricht:
Kein Mensch kann etwas nehmen, wenn es ihm nicht
vom Himmel gegeben ist.
Ihr selbst seid meine Zeugen,
dass ich gesagt habe: Ich bin nicht der Christus, sondern nur vor ihm her gesandt.
Wer die Braut hat, ist der Bräutigam;
der Freund des Bräutigams aber,
der dabeisteht und ihn hört,
ist voller Freude über die Stimme des Bräutigams.
Diese Freude hat sich nun bei mir vollendet.
Er muss wachsen, ich aber abnehmen.

Liebe Schwestern und Brüder,

meine schönsten Kindheitserinnerungen
verbinde ich mit dem Gemeindeausflug.
Ganz hinten auf der Rückbank des Busses
saßen die Jugendfreunde meiner Eltern:
Theo mit der Stimmgabel,
Hermann mit der Mundharmonika,
und der versammelte vierstimmige Chor
sang zum Basso Continuo des Motorgeräuschs „geh aus mein Herz“.

Nach Mulhouse sind wir gefahren,
nach Gérardmer zur Narzissenblüte,
und dann auch einmal nach Colmar zum Isenheimer Altar.

Als wir den ersten Gottesdienst zum Johannestag feierten,
kam es mir wieder in den Sinn,
wie der Fremdenführer im Museum von Colmar
„den überlangen Zeigefinger“ beschrieb:
über dem gebeugten Ellenbogen des Johannes
hat der Maler in Großbuchstaben geschrieben:
„Illum oportet crescere. Me autem minimi“.
Lateinisch hab ich erst später gelernt. Es ist unser Predigtwort:
„Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen.“
Oder – damit es nicht verwechselt wird mit einer Brigitte-Diät:
Er muss wachsen, ich aber geringer werden.
Ich persönlich finde die alte Übersetzung schöner:
„Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen.“

Unsre Christlichen Geburtstagsfeste wurden auf die Sonnwenden gelegt.
Weihnachten zur Wintersonnenwende:
Von jetzt an nimmt das Licht wieder zu.
Und der Johannestag zur Sommersonnenwende:
Von jetzt an geht es wieder auf Weihnachten.
Wir feiern diese beiden Geburtstagsfeste,
damit Christus groß wird
vor uns und für uns.

Der Mensch Johannes soll ein Wegweiser sein.
So wahr seine Worte sind, und so wichtig:
Es geht nicht um ihn; es geht
um den, der da kommen soll.
Es geht um Jesus.

II

Deshalb bin ich hier Pfarrer gewesen.
Deshalb hab ich in diesen fast vierzehn Jahren
auch machen Rückschlag verkraftet. Denn:
Es geht nicht um mich.
Es geht nicht um mein Glück.
Ich war hier, damit Christus unter euch groß werde.

Gleich am Anfang meiner Zeit, die erste Beerdigung:
„Wir wollen, dass Hanni Gebhardt sie macht.“
Hanni Gebhardt hatte eine gute Gabe.
Schade, dass sie nicht mehr dabei ist.

Da waren Leute, die wollten keinen geschiedenen Pfarrer:
„Natürlich könnt ihr jemand anderen suchen!“

Eine meiner letzten Amtshandlungen war die Ausstellung
eines so genannten Entlass-Scheins. Ein Neckarburkener
feiert Hochzeit; sie wird vom Prediger der Stadtmission gehalten.
Es geht nicht um mich: „Auf dass Christus verherrlicht werde.“

Und dann die Beerdigung. Herr Pfarrer, Sie machen das doch für uns.
Und diesjahr an Pfingsten dann die Taufe: Die Uroma wohnte im Unterdorf;
die Mama war meine Konfirmandin in der Waldstadt,
heute leben sie in Dallau. Klar doch, das mach ich!

Kirche hat sich verändert. Und sie wird sich weiter verändern.
Und eins der wichtigsten Momente
ist nicht, dass der Herr Pfarrer im Mittelpunkt steht,
sondern dass Christus verherrlicht wird,
in den Augen der Menschen
und in ihren Herzen.

Die persönliche Beziehung ist wichtig geworden,
die Frage ist, wen kenne ich?
Wer kann mir etwas geben?
Die Zeit der Pfarrherren ist vorüber.
Christus steht im Zentrum;
und Kirche wird schön.

III

Als ich nach Neckarburken kam,
hatte ich eben den Salbungs- und Segnungs-Gottesdienst kennengelernt,
wie ihn die Kommunität in Selbitz durchführt.
Zaghaft mach ich den Vorschlag.
Und dann heißt es: „Das kennen wir von den Wertheimer Schwestern.“
Oder „aus der katholisch-charismatischen Bewegung.
Das machen wir gern ökumenisch.“

Anfang Juni war der zweite Segnungsgottesdienst
gemeinsam mit Pfarrer Huber hier.
Zur Segnung standen wir am Altar
wie sonst zum Abendmahl.

Wenn ich eins gelernt hab, dann dieses:
Hab keine Angst, du könntest dich lächerlich machen.
Gott ist schon längst hier gewesen
und hat den Boden vorbereitet.

Halt ein,
denk kurz nach,
und dann tu, was dir wichtig
und was richtig ist!
Dass Christus verherrlicht wird.

Steh zu deinen Fehlern!
Du kennst deine Schwächen.
Aber das hemmt dich nicht.
Du weisst um deine Aufgabe:
Allein, dass Christus verherrlicht wird.

Halte dich nicht zurück!
Halte höchstens ein wenig inne,
um nicht sinnlos rauszuquatschen.
Nicht um dich geht es, sondern
dass Christus verherrlicht wird.

Natürlich gibt es ein paar Sachen, die
müssen in einer Gemeinde sein.
Denk nach, was wirklich wichtig ist,
Und dann trage deinen kleinen Teil dazu bei.
Es geht nicht um dich, sondern dass Christus verherrlicht wird.

Nostalgie ist etwas Schönes. Die Erinnerung trägt.
Aber du bleibst nicht am Anfang stehen.
Opa Helmut mit der Mundharmonika
begleitet den Gesang am Johannesfeuer.
Aber beim großen Gottesdienst in der Kirche
sitzt an der Orgel sein Enkelkind.

Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen.
Das ist die Diät des Glaubens.
Nicht auf dich kommt es an,
Jesus ist uns wichtig. Amen.

Credo

Lied blau 176 „Liebe ist Leben“ (Mel. Morning has broken)

Verabschiedung

Lied 268 „Strahlen brechen viele“

Fürbitten mit „Meine Hoffnung und meine Freude“ (Chor)

R. Backfisch: Wir beten dich an, Gott.
Wir bitten dich in deiner Weisheit:
Schenke uns gute Wegbegleiter,
Stärke uns den Glauben, damit wir Sonntags wie Werktags
wissen, wohin dein Weg uns führt
und wie wir ihn gehen.

A. Hauer:     Wir beten für unsere Gemeinde.
Wir beten für unsere Familien.
Wir beten für die Kirche in der ganzen Welt
und für deine Schöpfung: Erhalte uns in deinem Frieden.

  • Liedruf (Chor)

R. Backfisch: Wir beten dich an, Gott.
Wir bitten dich in deiner Weisheit:
Schenke uns Freunde und gute Nachbarn!
Stärke das Miteinander in den Straße und Häusern.
Lass Frieden sein in der Stadt und im ganzen Land!

A. Hauer:     Wir beten für unsere Politiker, Ortsvorsteher und Bürgermeister.
Wir beten für unsere Bischöfe und für unsern Dekan.
Wir bitten um gute Entwicklung für unseren ländlichen Raum
und für den Bezirkskirchenrat: Schenk uns Mut und Weisheit!

  • Liedruf (Chor)

R. Backfisch: Wir beten dich an, Gott.
Wir bitten dich in deiner Weisheit:
Schenke uns den Glauben, erhalte die Zuversicht, damit uns auch in den Wandlungen unseres Lebens der Mut nicht sinkt.
Gib Einsicht, was wir tun können, und den Mut, Dinge zu lassen.

A. Hauer:    Wir beten für die Alten in unserer Gemeinde.
Wir denken an jene, die aus Gebrechlichkeit nicht kommen können.
Wir bitten für unseren Kindergarten und für unser Kinderteam.
Wir bitten um gute Kandidaten für die bevorstehende Kirchengemeinderatswahl. Mache du die Herzen bereit:
Dein Reich komme, dein Wille geschehe.

  • Liedruf (Chor)

R. Backfisch: Wir danken dir Gott für schöne Tage.
Wir glauben, dass du den nächsten Schritt schon weisst.
Dir sagen wir unsere Hoffnung uns unser Vertrauen
In einem Augenblick der Stille.

  • Stille )

A. Hauer:    Und all unsre Wünsche und unsere Hoffnung
fassen wir zusammen im gemeinsamen Gebet:
Vater Unser im Himmel …

Lied 488, 1.2.4 „Bleib bei mir Herr“-

Grußworte mit Kanon 483 „Herr bleibe bei uns“

Segen

Chor: „Geh in Gottes Frieden“