Buß- und Bettag 2018

Und dem Engel der Gemeinde in Laodizea schreibe: Das sagt, der Amen heißt, der treue und wahrhaftige Zeuge, der Anfang der Schöpfung Gottes: Ich kenne deine Werke, daß du weder kalt noch warm bist. Ach, daß du kalt oder warm wärest!

Weil du aber lau bist und weder warm noch kalt, werde ich dich ausspeien aus meinem Munde.

Du sprichst: Ich bin reich und habe genug und brauche nichts! Und weißt nicht, daß du elend und jämmerlich bist arm, blind und bloß.

Ich rate dir, daß du Gold von mir kaufst, das im Feuer geläutert ist, damit du reich werdest, und weiße Kleider, damit du sie anziehst und die Schande deiner Blöße nicht offenbar werde, und Augensalbe, deine Augen zu salben, damit du sehen mögest.

Welche ich lieb habe, die weise ich zurecht und züchtige ich. So sei nun eifrig und tue Buße!

Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wenn jemand meine Stimme hören wird und die Tür auftun, zu dem werde ich hineingehen und das Abendmahl mit ihm halten und er mit mir.

Wer überwindet, dem will ich geben, mit mir auf meinem Thron zu sitzen, wie auch ich überwunden habe und mich gesetzt habe mit meinem Vater auf seinen Thron.

Wer Ohren hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt!

Liebe Schwestern und Brüder,

in der Nacht zum Ostersonntag
versammelt sich in den ersten Jahrhunderten
oftmals im Untergrund, im Verborgenen die Gemeinde:
In den Abwassergewölben Roms,
am Hafen von Korinth,
an einem Fluss-Knie vielleicht,
einem Badeplatz irgendwo in Kleinasien.

Erregtes Flüstern dringt an unser Ohr. „Glaubst du“, ist aus dem Gemurmel zu hören, dreimal. Die Antwort dann: „ich glaube.“ aus dem Mund derer, die gefragt wurden – allesamt Erwachsene, ein paar Jugendliche vielleicht.

Was sie auszeichnet, sind die weißen Kleider,
die sie übergezogen haben, denn es ist ein besonderer Morgen.
„Dies ist der Tag, an dem Christus die Ketten des Todes zerbrach“, singen wir bis heute in der Osternacht. Bis dann im Morgengrauen das Osterevangelium angestimmt wird, haben die Neugetauften längst ihre weißen Kleider abgestreift, sich getrocknet und zurechtgemacht und in die Schar der Gläubigen eingereiht.

Fiebrig kommt mir diese Zeit der ersten Christen vor.
Wenn ich Bücher lese und in diese Zeit eintauche,
dann sind die Bilder vor meinen inneren Augen
rötlich eingefärbt und erdig braun.
Man hat den Eindruck, diese Zeit sei noch von Spannung erfüllt,
von einer Erwartung, die das Leben der Menschen prägt:
Maranatha. Der HErr kommt bald,
lasst uns ihm entgegen leben.

Weiße Kleider als Ausdruck einer radikalen Lebenswende:
Wir machen tabula rasa. Ein Neuanfang wird uns geschenkt.
In der Taufe in Christus hineingesenkt, werden wir identifiziert.
Ganz rein; wir leben – ein Stück noch – ganz für ihn.
Und dann – in Ewigkeit – mit ihm.

Unsere weißen Babykleider bei der Taufe
sind eine schwache Erinnerung an dieses damalige Fiebern,
wenn man sich so – ganz –
eingekleidet hat mit diesem erneuerten Leben:
„Zieht an, als die Auserwählten Gottes, herzliches Erbarmen, Sanftmut, Demut, Keuschheit, Geduld…“

Nicht lange, da war dieses Fiebern abgekühlt.
Ende des 3.Jahrhunderts schon gibt es Menschen, die aus purem Kalkül
sich erst auf dem Sterbebett taufen ließen:
Ich kann mich, auch als Christ,
der Sünde nicht entziehen. Und andererseits:
Die Taufe ist mir so wertvoll; ich will das weiße Kleid nicht beschmutzen.
Ich will rein zum Himmel ein gehen.
Die Taufe auf dem Totenbett war ein Trick
Da ist das Feuer verschwunden.
Das Christenleben wird zum Handel mit Gott,
die Buße wird zum Sterbesakrament
und der Glaube wird zum Trost
im Jenseits, zur Ver-Tröstung.

~.~.~.°.~.~.~

Wenn die erste Liebe vorüber ist,
muss die Liebe tiefer werden, oder sie zerbricht.
Die Dynamik des Anfangs ist ausgebremst.
Dem langen Atem scheint das Feuer auszugehen.
Jetzt ist die Frage, wie das Feuer umgesetzt, verwandelt wird.
Ob die Wesenszüge, die mit der ersten Liebe verbunden waren,
Teil unseres Wesens geworden sind.
Ob der Glaube prägt, sich einprägt,
oder ob er nur zum ‚Zierrat‘ wird, zum Schmuckstück
an einem verflachten, oberflächlichen Leben.
Ob wir dranbleiben,
tiefer gegründet werden,
oder uns dem Zeitgeist anpassen.
Wohlstand ist wohl nur eines der Motive für den Kompromiss.
Oft ist es schlicht und einfach die Zeit,
die uns den Glaubensatem nimmt,
und die uns zwingt, uns irgendwie zu arrangieren.Und dann wird dieses Arrangement,
der faule Kompromiss wird aufgewertet,
zur eigentlichen Glaubensleistung hochstilisiert.
Und das war alles so spannend,
das nahm so viel Energie in Anspruch,
hat uns derart ausgefüllt,
dass wir gar nicht mehr gemerkt haben, wie leer wir eigentlich sind.
Mit den Worten des Sehers gesprochen. Du hast
so viel im Blick, dass du gar nicht merkst,
wie blind du eigentlich bist.

~.~.~.°.~.~.~

Laodicea war eine der reichsten Städte,
die reichste der sieben in Kleinasien,
an die die Offenbarung Johannes geschrieben worden ist.
Eine Stadt der Bankiers, die durch das ganze Reich
Handel trieben. Eine göttliche Stadt, sagte man in jenen Tagen,
so glänzend war sie angelegt. Ohne irgendwelche Hilfe
von außen wurde die Stadt von den eigenen Bürgern
im Jahr 60 nach einem Erdbeben wieder aufgebaut.

Die Stadt war bekannt wegen ihrer
prächtigen Wollstoffe und bestickten Gewänder.
Es gab dort eine medizinische Schule, in der berühmte
Augenärzte praktizierten und lehrten.
Die ganze Schule war religiös ausgerichtet,
wie alles in jenen Tagen reich war an Religion.
Und mit Hilfe des Gottes Mem hatte man einen sogenannten
Phrygischen Puder entwickelt, der,
als Salbe in die Augen gestrichen, wie man glaubte, Blindheit heilte.
Der Brief nimmt diesen Reichtum zum Ausgangspunkt
und kritisiert die Gemeinde, indem er alles, was hier
vorgewiesen werden könnte, infrage stellt.

In unsre Zeit übertragen wird daraus leicht ein Rundumschlag.
Wir müssen Obacht geben.
Allzu leicht interpretieren wir in solche Worte
unsre persönliche Frustrationen hinein:
da gibt es genügend:
Frust mit den Nachbarn,
Frust in der Familie, auch Frust in der Kirche.
Oft steckt dahinter Enttäuschung, wenn wir
andere Menschen als lau und abgestumpft bezeichnen.

Sind wir besser?
Sind wir heute weniger lau?
Oder sind wir einfach nur vorlaut,
weil wir halt zuerst gesprochen haben. Nutzen den Augenblick?
Sind nicht auch unsere Wege immer nur Suchwege?

Manchmal muss ich an jene Karikaturen denken,
wo sie Sonntag für Sonntag eine flammende Bußpredigt hören wollen,
um dann befriedigt heimzugehen:
Heute hat er es uns aber wiedermal mächtig gegeben.
Und dann gibt es die anderen, die immer sagen können:
So schlimm ist es überhaupt nicht; Ihr dramatisiert.
Oder: Ihr macht es ja auch nicht besser.
und: Mit dem letzten haben Sie recht. Oder?

Wo fangen wir also an?
Bei den Schwächen der anderen?
Beim eigenen Unvermögen?

~.~.~.°.~.~.~

Der Brief spricht von Jemandem, der draußen vor der Tür steht und klopft.
Ein erregendes Geräusch! Er klopft und ruft: Du sollst von mir kaufen:
Weiße Kleider und Augensalbe und Gold!

Und dann sind da welche, die sagen: Ich habe keinen Bedarf.
Keinen Bedarf? –
Das ist es, was hier übel genommen wird:
Diese unrealistische Bedürfnislosigkeit:
Nur niemandem zur Last fallen.
Nein, nein, ich brauche nichts. Ich kann mir
schon selber helfen. Und wenn ich nicht weiterkomme,
dann stecke ich eben zurück.

Ist dies eine Tugend? Oder
ist es ein Hang zur Mittelmäßigkeit?
Bin ich vielleicht maßlos, gerade in meiner gespielten Bescheidenheit?
Dieses ständig gespielte Zurückstecken:
„Ach nein, ich brauch doch nichts.“
maßlos ausgerechnet in der Bescheidenheit,
gerade in kirchlichen Dingen gehört es scheinbar zum Guten Ton
dieses Klein-aber-fein-Denken, wenn wir lieber
in allem die Mitte halten:
Ist das lobenswert, zukunftsweisend,
oder haben wir schon die Grenze zu Betulichkeit überschritten?
Wir drehen uns im Kreis zwischen Anpassung und Maßlosigkeit,
tödlichem Fortschritt und faulem Rückschritt.
Und jetzt tritt unser Elend uns so richtig vor Augen.

~.~.~.°.~.~.~

Du bist so armselig, so elend wie die Wüste Gobi,
und sagst du wärest reich: Kaufe bei MIR.
Kaufe Gold! – Ja, Gold, das nehme ich doch zum kaufen!
Nicht mit Geld sollst du bezahlen,
sondern kaufe mit ganzem Einsatz ein,
was dich weiterbringt!

Gold ist ein Sinnbild der Vollkommenheit.
Oft wird es mit der Sonne
und mit dem brennenden Feuer identifiziert.
Und zugleich ist es ein Hinweis auf die Läuterung,
die Veränderung und Verwandlung unseres Lebens.

Neben den weißen Kleidern und dem Salböl ist Gold
das dritte Medium, mit dem der Heilige
in unser Elend eindringt.
Das ist Gottes Wille, heißt es irgendwo,
nicht in der Sünde zu bleiben,
keine Kompromisse zu schließen mit der menschlichen Unzulänglichkeit,
sondern die Suche, die Sehnsucht,
das Streben nach Göttlichem.
Das ist Gottes Wille,
eure Heiligung.

Es muss ein brennender Glaube gewesen sein,
der oben, auf dem Dach des Tempels von Jerusalem,
goldene Platten anbringen ließ,
und damit symbolisch darauf hinwies:
Wo Gott wirkt, da wird die Welt wertvoll.
Wo Gott wird, da werden die Menschen heilig. Amen.

Predigtlied „Ich nehm das herz aus Stein“ (Fritz Baltruweit, Anhang 55)

Nimm das Herz aus meiner Brust,
mach es ganz heilig in dir!

Wir bekennen vor dir Gott,
dass wir Sünder sind,
dass wir gefehlt haben,
die Scherben unsrer Gerechtigkeit sammeln wir
und halten sie dir hin.

Nimm das Herz aus meiner Brust,
mach es ganz heilig in dir!

Wir zählen die Gebote,
die du uns aufgetragen hast,
und spüren, dass du, Gott,
uns viel zu sagen hast:
Du allein bist Gott in Ewigkeit.
Kein anderer hat Ehre verdient, auch kein Mensch.

Nimm das Herz aus meiner Brust,
mach es ganz heilig in dir!

Wie viele Vorstellungen haben wir,
die unsre Aufmerksamkeit lenken, das Leben leiten.
Ach, dein Wort verdient so viel mehr,
so viel größere Aufmerksamkeit.

Nimm das Herz aus meiner Brust,
mach es ganz heilig in dir!

Wie wir uns gern zerstreuen,
mit Bildern und Taten,
Gedanken und Worten.
Doch heute ist der Tag der Besinnung.
Heute richten wir uns zu dir.

Nimm das Herz aus meiner Brust,
mach es ganz heilig in dir!

Wir sind hart gewesen zu Schwestern und Brüdern,
ungerecht zu Freunden und Nachbarn.
Und selbst wenn niemand starb
durch meine Hand;
wir sind mitschuldig an Unheil
teilhaftig an Unrecht weltweit.

Nimm das Herz aus meiner Brust,
mach es ganz heilig in dir!

In unseren Gedanken spüren wir
Eifersucht, Neid,
Ehrgeiz auf Kosten anderer.
Und die Gerüchteküche tobt
auch unter uns.

Nimm das Herz aus meiner Brust,
mach es ganz heilig in dir!

Dir sagen wir unser Sehnen, Gott,
dir Heiliger klagen wir unsere Not.
Erneuere, erleuchte uns, Gott.

Bußlied „ein reines Herz…“ EG 230

Der allmächtige Gott hat sich euer erbarmt. Er hat sich unser erbarmt.
Als seine Kinder sprechen wir einander zu:
in all deiner Sünde, in aller Not, so spricht Gott:

Ich, ich tilge deine Missetat wie eine Wolke und deine Sünden wie den Nebel.
Kehre dich zu mir, denn ich erlöse dich!
Jauchzet, ihr Himmel, denn GOTT hat’s getan!
Jubelt, ihr Tiefen der Erde! Ihr Berge, frohlocket mit Jauchzen,
der Wald und alle Bäume darin! Denn GOTT
hat Jakob erlöst, an Israel verherrlicht er sich.

Ehre sei Gott in der Höhe….

Dank, dir, in Ewigkeit,
gnädige Gottheit,
einziger Erbarmer.
Dich preist meine Seele,
auf dich hofft mein Herz!

Dich lobt meine Stimme, uns schwingt sich
auf zum Himmel, vereinigt sich
mit dem Lob der Heiligen zu allen Zeiten.
Mit ihnen in ewigem Lobgesang
jubilieren wir und singen: heilig, heilig, heilig …

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s